Gesundheit wird häufig auf die Abwesenheit von Krankheit, Risikovermeidung und ein möglichst langes Funktionieren reduziert. Toni Berthel setzt dem einen ganzheitlichen Gesundheitsbegriff entgegen, der auch Lebensfreude, Wohlbefinden, Grenzerfahrungen und den zeitlich begrenzten Rausch einschliesst – nicht als Verharmlosung möglicher Schäden, sondern als Teil menschlicher Kultur und Erfahrung. Aus seiner langjährigen Arbeit in Psychiatrie und Suchtmedizin fragt er, weshalb Rausch oft pauschal pathologisiert wird. Er unterscheidet zwischen Rausch-, Sucht- und Betäubungsmitteln und plädiert für einen offenen, sachlichen Dialog über Konsum, Abhängigkeit, Risiko und gesellschaftliche Verantwortung.
Dr. med. Toni Berthel ist Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie mit Schwerpunkt Abhängigkeitserkrankungen. Er leitete die Integrierte Suchthilfe Winterthur mit heroingestützter Behandlung sowie ambulanter Suchtberatung und -behandlung. Von 2012 bis 2019 präsidierte er die Eidgenössische Kommission für Drogenfragen beziehungsweise die Eidgenössische Kommission für Suchtfragen. Seit 2020 ist er Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Suchtmedizin (SSAM). Heute ist er privatärztlich, als Supervisor und ehrenamtlich tätig.