ODILIA NOWACKI
Vernissage 29.01.2026, 18H00 mit Apéro
Ausstellung 30.01. bis 11.03.2026
Drei Leinwände hängen frei im Raum, sie schweben, ohne Wand, ohne Boden, wie fragile Körper, die den Raum durchziehen. Sie sind nicht Bild, nicht Wand, sondern Präsenz – ein leiser, stiller Raum, in dem Wahrnehmung und Gedanken aufeinandertreffen. Wer sich nähert, wird unweigerlich Teil dieses Raumes, Teil des Werkes selbst.
Auf der Vorderseite entsteht fragmentarisch ein Gesicht. Es ist kein vollständiges Porträt, kein fertiges Abbild, nur ein Ausschnitt, ein Moment des Sehens. Im Zentrum liegt ein Auge. Doch es blickt nicht zurück, zeigt keine Emotion, verrät kein Geheimnis und verweigert jede Lesbarkeit: Sein Inneres ist ein Spiegel. In dem Moment, in dem die Person glaubt, gesehen zu werden, sieht sie sich selbst. Nicht das Gesicht wird betrachtet – die Betrachtenden werden zum Gegenstand der Betrachtung. Das Auge wird zur Projektionsfläche für Identität, Selbstbild und Selbstbefragung.
Seiten aus alten Büchern der Psychotherapie und Psychopathologie zieren die Rückseite des Gesichts. Texte, die versuchen, das menschliche Innenleben zu ordnen, zu erklären, zu benennen, werden hier zu Haut, zu Hintergrundrauschen, zu einer stillen Präsenz. Sie stützen das Gesicht, ohne es zu bestimmen,
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ODILIA NOWACKI
Vernissage 29.01.2026, 18H00 mit Apéro
Ausstellung 30.01. bis 11.03.2026
Drei Leinwände hängen frei im Raum, sie schweben, ohne Wand, ohne Boden, wie fragile Körper, die den Raum durchziehen. Sie sind nicht Bild, nicht Wand, sondern Präsenz – ein leiser, stiller Raum, in dem Wahrnehmung und Gedanken aufeinandertreffen. Wer sich nähert, wird unweigerlich Teil dieses Raumes, Teil des Werkes selbst.
Auf der Vorderseite entsteht fragmentarisch ein Gesicht. Es ist kein vollständiges Porträt, kein fertiges Abbild, nur ein Ausschnitt, ein Moment des Sehens. Im Zentrum liegt ein Auge. Doch es blickt nicht zurück, zeigt keine Emotion, verrät kein Geheimnis und verweigert jede Lesbarkeit: Sein Inneres ist ein Spiegel. In dem Moment, in dem die Person glaubt, gesehen zu werden, sieht sie sich selbst. Nicht das Gesicht wird betrachtet – die Betrachtenden werden zum Gegenstand der Betrachtung. Das Auge wird zur Projektionsfläche für Identität, Selbstbild und Selbstbefragung.
Seiten aus alten Büchern der Psychotherapie und Psychopathologie zieren die Rückseite des Gesichts. Texte, die versuchen, das menschliche Innenleben zu ordnen, zu erklären, zu benennen, werden hier zu Haut, zu Hintergrundrauschen, zu einer stillen Präsenz. Sie stützen das Gesicht, ohne es zu bestimmen, sind Wissen ohne Antwort, Ordnung ohne Gewissheit.
Der Titel «LOREM IPSUM» bindet alles zusammen. Bekannt als Blindtext, simuliert er Sinn, ohne ihn zu liefern. Er verweist auf die Leerstelle zwischen Zeichen und Bedeutung, auf die Lücken, in denen Interpretation und Projektion entstehen. Auge, Texte und Titel wirken zusammen: Das Werk formt einen Raum, in dem Wahrnehmung, Wissen und Reflexion untrennbar verschränkt sind.
In einer Welt der Ansichten, Erklärungen und Diagnosen hält das Werk inne. Es ist weder belehrend noch kann es die Betrachtenden beurteilen. Schlicht lädt es ein zur Begegnung mit dem Selbst. Das Auge spiegelt, die Texte stützen, der Titel öffnet den Zwischenraum. Alles zusammen bildet einen Moment der Selbstwahrnehmung, frei von Oberflächlichkeiten und vermeintlichen Spielregeln.
Den eigenen Blick auf sich richten, in sich hineinspüren und beobachten.
Kann er angenommen werden? Wird er abgelehnt? Tut er gut oder verletzt er? Ist es ein Gesehenwerden oder ein Ertappen?
Eine Gelegenheit, das eigene Fühlen, Denken und Handeln zu betrachten.
Eine Gelegenheit, sich selbst zu sehen.
Eine Gelegenheit, zu erkennen, Teil eines Kunstwerkes zu sein.
Wir freuen uns auf Ihren Besuch!
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