Programm
– Pierre-Louis Dietsch (1808–1865) / Jacques Arcadelt (1507–1568)
Ave Maria (nach Arcadelt)
- – Franz Liszt (1811–1886)
Ave Maria d’Arcadelt (1842)
- – Giovanni Pierluigi da Palestrina (1525–1594) [ehemals zugeschrieben]
Miserere (16. Jh.)
- – Franz Liszt (1811–1886)
Miserere, d’après Palestrina (1847)
- – Franz Liszt (1811–1886)
Via Crucis, S. 53 (1878/79)
Besetzung
The Zurich Chamber Singers
Tamara Chitadze, Klavier
Christian Erny, Leitung
DE
Wann sind Veränderungen mit Schmerz, Verlust und Abschied verbunden? Die Passionszeit schafft Zeit nicht nur für religiöse Andacht, sondern auch für universelles Nachdenken über unsere Endlichkeit, Sinn und Hoffnung. Der Kreuzweg steht dabei exemplarisch für einen unumkehrbaren Prozess: ein Weg, der nicht zurückführt, sondern durch das Dunkel hindurch neue Hoffnung verspricht.
Franz Liszts «Via Crucis» bildet das Zentrum dieses Programms. In vierzehn Stationen vertont das Werk den Leidensweg Christi – eine Musik eindrücklicher, radikaler Konzentration. Der alternde Komponist Liszt wendet sich in diesem Werk endgültig von der Virtuosität seiner frühen Jahre ab und wird hier zum Visionär: ein Denker und Suchender, entwickelt er hier eine in ihrer Reduktion revolutionäre Klangsprache:
...
afficher plus
Programm
– Pierre-Louis Dietsch (1808–1865) / Jacques Arcadelt (1507–1568)
Ave Maria (nach Arcadelt)
- – Franz Liszt (1811–1886)
Ave Maria d’Arcadelt (1842)
- – Giovanni Pierluigi da Palestrina (1525–1594) [ehemals zugeschrieben]
Miserere (16. Jh.)
- – Franz Liszt (1811–1886)
Miserere, d’après Palestrina (1847)
- – Franz Liszt (1811–1886)
Via Crucis, S. 53 (1878/79)
Besetzung
The Zurich Chamber Singers
Tamara Chitadze, Klavier
Christian Erny, Leitung
DE
Wann sind Veränderungen mit Schmerz, Verlust und Abschied verbunden? Die Passionszeit schafft Zeit nicht nur für religiöse Andacht, sondern auch für universelles Nachdenken über unsere Endlichkeit, Sinn und Hoffnung. Der Kreuzweg steht dabei exemplarisch für einen unumkehrbaren Prozess: ein Weg, der nicht zurückführt, sondern durch das Dunkel hindurch neue Hoffnung verspricht.
Franz Liszts «Via Crucis» bildet das Zentrum dieses Programms. In vierzehn Stationen vertont das Werk den Leidensweg Christi – eine Musik eindrücklicher, radikaler Konzentration. Der alternde Komponist Liszt wendet sich in diesem Werk endgültig von der Virtuosität seiner frühen Jahre ab und wird hier zum Visionär: ein Denker und Suchender, entwickelt er hier eine in ihrer Reduktion revolutionäre Klangsprache: abrupte Brüche, Stille als kompositorisches Mittel, freitonale Kühnheit. «Via Crucis» wird dabei weniger zum Ausdruck religiöser Inbrunst als einer inneren Auseinandersetzung mit dem Menschsein.
Gleich zu Beginn erklingt der gregorianische Choral «Vexilla Regis», dessen Anfang sich als Leitmotiv durch das gesamte Werk zieht. Er verändert sich, wächst, schreit, zerfällt, und mit ihm begeht der Mensch einen Weg durch Schmerz, Schuld und Tod. Diese musikalische Metamorphose reflektiert ein zentrales Symbol der Passionszeit: Die Kreuzigung bleibt nicht Endpunkt, sondern Ursprung.
Vier Werke zu Beginn des Programms ergänzen diese musikalische Wandlung: Ein weltliches Chanson von Jacques Arcadelt wird im 19. Jahrhundert von Pierre-Louis Dietsch in ein «Ave Maria» umgeschrieben. Liszt wiederum komponiert daraus ein Klavierstück – eine doppelte musikalische Verwandlung. Gleiches geschieht mit einem anonymen, einst Palestrina zugeschriebenen «Miserere», das bei Liszt zur introvertierten Klaviermeditation wird. Diese zwei Werkgruppen bilden eine Schwelle, einen Zugang zu Liszts «Via Crucis».
afficher moins