Regie: François Ozon; mit Benjamin Voisin, Rebecca Marder; FRA 2025, Französisch mit deutschen Untertiteln, 2h03
Algier 1938. Meursault, ein stiller, unauffälliger Angestellter um die dreissig, nimmt ohne sichtbare Gefühlsregung an der Beerdigung seiner Mutter teil. Am nächsten Tag beginnt er eine Affäre mit Marie, einer früheren Arbeitskollegin, und kehrt in den gewohnten Alltag zurück. Dieser wird jedoch bald durch seinen Nachbarn Raymond gestört, der Meursault in zwielichtige Machenschaften hineinzieht – bis es an einem glühend heissen Tag am Strand zu einem schicksalhaften Drama kommt…
Mit Benjamin Voisin hat Ozon eine geniale Besetzung für die Hauptfigur Meursault gefunden, der nicht einfach nur kalt wirkt, sondern eher wie einer, der eigentlich gar nicht versteht, was um ihn herum passiert.
L'ÉTRANGER bleibt in seiner Erzählung und wunderschönen, detailgetreuen Inszenierung und Ausstattung nah bei der literarischen Vorlage. Ozon unterfüttert den Film allerdings auch subtil mit all dem historischen Wissen darum, was in den fast 80 Jahren seit Erscheinen des Romans passiert ist: der Rassismus der Franzosen gegenüber den Arabern, (man sieht einmal ein Schild, das den «indigènes» den Eintritt ins Kino verbietet), der sich regende Anti-Kolonialismus und der bevorstehende Algerienkrieg.
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