«Wir sind, was wir einander über uns erzählen», schreibt Kiyak – und was sie in ihrem Vaterbuch zu erzählen hat, ist eine Menge: die erschütternde, berührende und immer wieder verzweifelt komische Geschichte einer grossen Vater-Tochter-Liebe.
Herr Kiyak, ein fabelhafter Geschichtenerzähler, der als sogenannter Gastarbeiter in Deutschland gelebt hat, bekommt Krebs und will sterben. Aber er hat eine Tochter – und was für eine – und die hat beschlossen, ihn nicht gehen zu lassen. Immerhin hat man nur einen Vater.
Mit kompromissloser Offenheit findet sie Worte für den drohenden Verlust und das Unvermögen, damit umzugehen. Sie erzählt von Vaterliebe und Tochterangst; davon, dass es die Geschichten sind, die bleiben. Ihr Ton ist traurig, frech, aber vor allem voll Zärtlichkeit für diesen Vater, dessen Lieblingsgefühl zeitlebens «Huzur» war – Ruhe und Harmonie.
Mely Kiyak, Tochter kurdischer Einwanderer, ist eine der wichtigsten und brillantesten Stimmen der deutschen Gegenwartsliteratur. Ihr Schreiben ist radikal ehrlich, nie rührselig; immer politisch, von grosser Klugheit und Zartheit und tiefem Humor.
gelesen von Doris Schefer & Alexander Seibt
ZU GAST IM ZIMMER-THEATER ARIANE