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Kulturtechniken des Schweigens als Formen der Sorge

Kulturtechniken des Schweigens als Formen der Sorge Humboldt Forum, Schloßplatz, 10178 Berlin Billets

Credits: Lotte Warnsholdt, Referentin in der Ringvorlesung "Cluster Familie", 18.03.2026 © Paul Schimweg

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Humboldt Forum, Berlin (DE)

Die interdisziplinäre Ringvorlesungsreihe eröffnete im Dezember 2024 einen Denk- und Gesprächsraum, der in das Jahresthema Beziehungsweise Familie einführt. Ausgehend von der Frage, was Familie heute bedeutet, diskutieren seither renommierte Wissenschaftler*innen verschiedener Disziplinen und Fachrichtungen aktuelle Forschungen zu alternativen Familien- und Verwandtschaftskonzepten sowie deren kreativen, ethischen und innovativen Potenzialen.

Mit dem Beginn des Jahresprogramms im Oktober 2025 wird diese Auseinandersetzung vertieft und entlang der thematischen Schwerpunkte weitergeführt. Im Januar setzt die Ringvorlesung mit dem Schwerpunkt Familiengeheimnisse erneut an und umfasst fünf Termine bis April. Anschließend richtet sich der Blick in einem weiteren Schwerpunkt auf alternative Lebenswelten und diverse Familienkonzepte.

Fokus Familiengeheimnisse

Der Schwerpunkt Familiengeheimnisse richtet den Blick auf verborgene Dimensionen familiärer Beziehungen, in denen sich Nähe, Schutz und Konflikt bündeln. Im Zentrum stehen Praktiken des Verschweigens und Offenlegens, die individuelle Lebensgeschichten ebenso prägen wie gesellschaftliche Ordnungen.

Geheimnisse sind dabei mehr als verborgene Informationen: In ihnen verdichten sich Bedürfnisse nach

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Die interdisziplinäre Ringvorlesungsreihe eröffnete im Dezember 2024 einen Denk- und Gesprächsraum, der in das Jahresthema Beziehungsweise Familie einführt. Ausgehend von der Frage, was Familie heute bedeutet, diskutieren seither renommierte Wissenschaftler*innen verschiedener Disziplinen und Fachrichtungen aktuelle Forschungen zu alternativen Familien- und Verwandtschaftskonzepten sowie deren kreativen, ethischen und innovativen Potenzialen.

Mit dem Beginn des Jahresprogramms im Oktober 2025 wird diese Auseinandersetzung vertieft und entlang der thematischen Schwerpunkte weitergeführt. Im Januar setzt die Ringvorlesung mit dem Schwerpunkt Familiengeheimnisse erneut an und umfasst fünf Termine bis April. Anschließend richtet sich der Blick in einem weiteren Schwerpunkt auf alternative Lebenswelten und diverse Familienkonzepte.

Fokus Familiengeheimnisse

Der Schwerpunkt Familiengeheimnisse richtet den Blick auf verborgene Dimensionen familiärer Beziehungen, in denen sich Nähe, Schutz und Konflikt bündeln. Im Zentrum stehen Praktiken des Verschweigens und Offenlegens, die individuelle Lebensgeschichten ebenso prägen wie gesellschaftliche Ordnungen.

Geheimnisse sind dabei mehr als verborgene Informationen: In ihnen verdichten sich Bedürfnisse nach Schutz und Intimität ebenso wie Scham, Angst vor Bloßstellung oder der Druck sozialer Normen. Als Teil biografischer Erfahrungen wirken Familiengeheimnisse tief in persönliche Lebensgeschichten hinein. Erzählen und Verschweigen machen sichtbar, wie Beziehungen gestaltet, Grenzen gezogen und soziale Ordnungen verhandelt werden – und wie Geheimnisse weit über das Private hinaus Zugehörigkeiten stiften, Grenzen markieren und gesellschaftliche Strukturen stabilisieren oder irritieren.

Familiengeheimnisse

Geheimnisse sind von großem gesellschaftlichem Wert – von der ärztlichen Schweigepflicht bis hin zum Schweigerecht des Beklagten vor Gericht. Artikel 16 der UN-Kinderrechtskonvention „Schutz von Privatsphäre und Ehre“ gesteht Kindern das Recht zu, Geheimnisse zu haben. Hinter Privatgeheimnissen verbergen sich meist Familiengeheimnisse. Sie sind weit mehr als gehütete Informationen. In ihnen offenbart sich das Bedürfnis, die eigene Integrität und Privatsphäre und damit auch andere zu schützen, Intimität zu bewahren. Familiengeheimnisse können Ausdruck von Scham, der Angst vor Blöße sein, sie zeugen aber auch von dem Wunsch nach sozialer Integration unter dem Druck gesellschaftlicher Konventionen und Moralvorstellungen. Sie sind Teil der biografischen Erfahrung eines jeden Menschen und fast jeder Familie, und sie wirken individuell sehr unterschiedlich nach.

Erzählen und Verschweigen von Geheimnissen machen sichtbar, wie Individuen Einfluss auf ihre Lebensgeschichten nehmen, emotionale Beziehungen gestalten und gesellschaftliche Normen verhandeln. Zugleich zeigt die kultur- und sozialwissenschaftliche Forschung, dass Geheimnisse weit über das Private hinausreichen: Sie erfüllen grundlegende gesellschaftliche Funktionen, indem sie Grenzen markieren, Zugehörigkeiten stiften und soziale Ordnungen stabilisieren.

In den ersten Terminen dieser Ringvorlesung wenden wir uns daher den vielfältigen Facetten und Funktionen des Geheimnisses zu – von kulturellen Techniken des Verbergens über rechtliche Fragen des Schutzes von Privatheit, insbesondere bei Kindern, bis hin zur Verhandlung und Inszenierung von Familiengeheimnissen in filmischen oder theatralen Inszenierungen.

So entsteht ein Panorama, das die Bedeutung des Geheimen – als verbindende und stabilisierende wie zugleich trennende und destabilisierende Kraft – in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen sichtbar macht und seine kulturelle und soziale Wirkmacht in unterschiedlichen Kontexten nachvollziehbar werden lässt.

BETEILIGTE

Vortrag

Dr. Lotte Warsholdt, Medienwissenschaftlerin und Mitwirkende am Museum am Rothenbaum – Kulturen und Künste der Welt.

Lotte Warnsholdt ist Kultur- und Medienwissenschaftlerin in Hamburg. Sie studierte Europäische Ethnologie in Kopenhagen, Philosophie und Rechtswissenschaft in Hamburg und schloss ihren Master sowie ihre Promotion in Kultur- und Medienwissenschaften an der Leuphana Universität Lüneburg ab. Sie arbeitet am Museum am Rothenbaum, Kulturen und Künste der Welt und ist dort u.a. Co-Kuratorin der Sonderausstellung KATZEN! (Laufzeit 2025-2026).

Schwerpunkte sind Sorgeformen und -praktiken in Institutionen des Wissens. Sie schreibt zur Materialität und Gewalt der Archive, die in situ als auch digital begriffen werden. In ihrem Buch Im Schatten des Schweigens (transcript 2024) untersucht sie die Bedeutung von Schweigen und Geheimhaltung für soziale und historische Prozesse.

Konzeption

Prof. Dr. Daniel Tyradellis (Humboldt-Universität zu Berlin)

Dr. Alia Rayyan (Humboldt-Universität zu Berlin)

Dr. Laura Goldenbaum (Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss)

- Preis: kostenfrei

- Dauer: 120 Min

- Sprache: Deutsch

- Ort: Saal 3, EG

- Teil von: Ringvorlesung Beziehungsweise Familie

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L'événement commence dans
3 jours
20 hrs
10 min
49 sec

Organisateur

Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss

Total: XX.XX

Infos

Lieu:

Humboldt Forum, Schloßplatz, Berlin, DE

Organisateur

Kulturtechniken des Schweigens als Formen der Sorge est organisé par:

Stiftung Humboldt Forum im Berliner Schloss