Die Schweiz hat zwar keinen Richard Strauss, keinen Béla Bartók, keinen Paul Hindemith. Aber einen Othmar Schoeck! Und diesen rücken jetzt vier Musikerinnen des Musikkollegium Winterthur ins rechte Licht. Denn Musik solcher Qualität ist hierzulande selten zu finden, und was für ein riesiges Versprechen Schoeck in jungen Jahren war, ist in seinem 1. Streichquartett zu erleben. Das musste auch Werner Reinhart so ergangen sein, der bald nach der Uraufführung des Quartetts seine lebenslange Förderung von Schoeck begann. Auch mit Werners Bruder, dem Literaten Hans war Schoeck bekannt, und nun erklingt seine Musik also im Haus eines weiteren Reinhart-Bruders, dem Kunstsammler Oskar. Schoecks 1. Streichquartett ist ein Wurf, bei genauem Hören immer merkwürdiger, und zugleich immer anziehender. Gerade der Mittelsatz mit seinen heftigen Stimmungswechseln wirkt in seiner Collage-Art einerseits sehr modern, andererseits drängt sich auf, darin Schoecks unstetes (Liebes-)Leben abgespiegelt zu hören. Der erste Satz hingegen wirkt wie eine neoklassische Anverwandlung der Quartette Felix Mendelssohns, was leichter gesagt als getan ist! Schoeck gelingt dies, nicht zufällig war er ja Meisterschüler von Max Reger in Leipzig. Im dritten und letzten Satz schliesslich, der fast die Hälfte des Werks einnimmt, kehrt der Mendelssohn-Tonfall wieder, aber die romantische Innerlichkeit wird gelegentlich ausgehöhlt, umgestülpt … In diesem Aspekt sind dann Hindemith, Bartók und Strauss nicht so weit weg, und doch ist alles ganz Schoeck. Echten Mendelssohn gibt es danach in acht Liedern und einem Fragment, komponiert auf Texte von Heinrich Heine und für Streichquartett bearbeitet von Aribert Reimann (1936–2024). Als einer der wichtigsten Opernkomponisten der jüngsten Epoche verstand es Reimann, dem Unter- und Hintersinn von Mendelssohn und Heine instrumentalen Ausdruck zu verleihen. Opernerfahren ist auch die in Winterthur bestens bekannte Sopranistin Mélanie Adami, die den kongenialenZyklus von Mendelssohn/Reimann singt. Das Museumscafé ist vor und nach der Veranstaltung geöffnet. Der Museumspass ist für diese Veranstaltung nicht gültig. Othmar Schoeck: Streichquartett Nr. 1 D-Dur, op. 23 Aribert Reimann: «....oder soll es Tod bedeuten?» Acht Lieder und ein Fragment für Sopran und Streichquartett von Felix Mendelssohn Bartholdy Solist: Violine: Cécile Vonderwahl Beata Checko-Zimmermann Viola: Ivona Krapikaite Violoncello: Seraphina Rufer Sopran: Mélanie Adami
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dim.21 mars 202714:00
Schoeck & Mendelssohn
Sammlung Oskar Reinhart «Am Römerholz», Haldenstrasse 95, 8400 Winterthur
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