Eine musikalisch inszenierte, literarisch-philosophische Performance
Wie oft sind wir überzeugt, die Wahrheit zu kennen und das Richtige zu tun. So war es auch bei den führenden Männern Athens im fünften Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. Wäre da nicht Sokrates gewesen. Er schlenderte durch die Gassen und sagte ihnen ungeniert ins Gesicht, sie hielten sich zwar für klug, seien es aber nicht.
Das kam nicht gut an und Sokrates wurde angeklagt. Er verführe, so hiess es, die jungen Leute dazu, Gewissheiten zu hinterfragen und die Autorität ihrer Väter anzuzweifeln.
Am Tag des Prozesses wurden 501 athenische Bürger per Los zu Richtern bestimmt. Platon, ein Schüler des Sokrates, verfasste einige Jahre später eine Schrift über diesen Tag: die « Apologie des Sokrates».
Sokrates war stolz und unbeugsam. Er blieb seiner Philosophie treu, alles zu hinterfragen. Ihm war gleichgültig, wen er damit provozierte. Der Mehrheit der Richter war das zu viel. Sie scheuten die Verunsicherung, die das Philosophieren mit sich bringt. Sie scheuten die Freiheit, zu der der philosophische Zweifel führt. Sie verurteilten Sokrates zum Tod durch den Giftbecher.
Vera Bauer liest Auszüge aus der «Apologie des Sokrates», David Goldzycher sorgt für die Musik – und Suzann-Viola Renninger ordnet das Gehörte philosophisch ein.