Der moderne Mensch ist ein Arbeitssuchender. Seit dem 18. Jahrhundert gehört die Bewerbung zu den zentralen Kulturtechniken unserer Gesellschaften. Aus Bittschriften wurden Werbetexte, aus Lebenserfahrung Qualifikationsprofile. Timo Luks erzählt die Geschichte dieser Praxis anhand zahlreicher Archivfunde, die oft ebenso komisch wie aufschlussreich sind. Er zeigt, wie sich die Ansprüche ans Erzählen über uns selbst gewandelt haben: Wie Leistungs- und Erwartungsdruck auf dem Stellenmarkt an Fahrt aufnahm, Menschen lernten, sich marktkonform zu präsentieren. Eine ebenso kluge wie vergnügliche Kulturgeschichte der Bewerbung und der Kunst, sich selbst zu erfinden.
Moderation: Christina Caprez
Timo Luks ist Historiker an der Universität Münster. Zu seinen Schwerpunkten gehört die Geschichte moderner Arbeitswelten seit 1800. Im Rahmen eines mehrjährigen Forschungsprojekts hat er sich ausführlich mit der Geschichte der Bewerbung im 19. Jahrhundert befasst. Auf Grundlage zahlreicher Quellen veröffentlichte er 2022 unter dem Titel In eigener Sache (Hamburger Edition) die erste wissenschaftlich fundierte und vielbeachtete Monografie zu diesem Thema, aus der die Idee zu Die Erfindung des Lebenslaufs entstand.