Die Griechin Iphigenie, Tochter Agamemmnons, eines der grossen Helden im Trojanischen Krieg, wird auf der heutigen Halbinsel Krim von dem dortigen Herrscher, Thoas, im Priesteramt der Göttin Diana schon lange unfreiwillig festgehalten. Er hofft, durch die Verbindung mit ihr seine Macht im Reiche festigen zu können. Sie jedoch wartet auf ihre Rückkehr, um den Fluch ihres Hauses, der seit dem Ahnherrn Tantalus auf jenem lastet, zu entsühnen und weigert sich standhaft. Der König, erzürnt über diese Zurückweisung, verlangt von ihr, die durch ihren Einfluss abgeschafften Menschenopfer wieder einzuführen. Die ersten dazu bestimmten Ankömmlinge auf der Halbinsel erweisen sich als ihr Bruder Orest und sein Freund Pylades. Wie soll Iphigenie die beiden und sich selber retten? Wird am Ende die Macht, Wahrheit oder List siegen?
Goethe lässt sein Schauspiel auf einem antik-griechischen Hintergrund spielen, behandelt darin aber tief menschheitliche Fragen: Kann ich mich in der Fremde heimisch fühlen? Wie gehen wir mit Wahrheit um? Setze ich meine Macht zur Erreichung meiner Wünsche und Ziele ein? Handle ich autoritätsgläubig oder selbstbestimmt? Was ist Schicksal, was meine Freiheit? – Fragen, die heute noch, oder gerade heute hochaktuell sind.