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16

Donnerstag

Jüdische Indienreisende als Beobachter der Kastengesellschaf

Jüdische Indienreisende als Beobachter der Kastengesellschaf Salomon Sulzer Saal, Schweizerstrasse 31, 6850 Hohenems Tickets
Salomon Sulzer Saal, Hohenems (AT)

im Rahmen der Europäischen Sommeruniversität für Jüdische Studien 

Von Europa aus betrachtet, waren die Juden von Cochin (heute Kochi) in Südindien ein ferner Außenposten der Diaspora, doch zeigen sich mittelalterliche jüdische Händler aus Nordafrika und Spendensammler der Kolonialzeit über ihre Lebensverhältnisse erstaunlich gut informiert. Seit dem 16. Jahrhundert beschäftigten sich jüdische Reiseberichte insbesondere mit der scharfen Trennung zwischen zwei endogamen indisch-jüdischen Gruppen. Seit dem portugiesischen Bericht, den Mosseh Pereyra da Silva der Amsterdamer sefardischen Gemeinde von seiner Reise 1686 erstattete, bürgerte sich die Rede von den “schwarzen” und “weißen” Juden Cochins ein. Spätere Besucher forschten nach den Ursprüngen dieser beiden Gemeinden, sammelten historische Dokumente darüber oder schrieben diese kurzerhand selbst, wie es der niederländische Konvertit Immanuel Jacob van Dort auf seiner Indienreise 1755-1756 tat. Der Jerusalemer Reisende David de-Beit Hillel drückte nach seinem Besuch im Jahr 1828 schon die moderne Entrüstung über die Diskriminierung unter Juden aus. Ein weiterer Emissär, Jacob Saphir, erreichte Cochin 1860 auf dem Weg nach Australien und hinterließ eine hebräische Reiseerzählung von ausgezeichneter ethnographischer

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im Rahmen der Europäischen Sommeruniversität für Jüdische Studien 

Von Europa aus betrachtet, waren die Juden von Cochin (heute Kochi) in Südindien ein ferner Außenposten der Diaspora, doch zeigen sich mittelalterliche jüdische Händler aus Nordafrika und Spendensammler der Kolonialzeit über ihre Lebensverhältnisse erstaunlich gut informiert. Seit dem 16. Jahrhundert beschäftigten sich jüdische Reiseberichte insbesondere mit der scharfen Trennung zwischen zwei endogamen indisch-jüdischen Gruppen. Seit dem portugiesischen Bericht, den Mosseh Pereyra da Silva der Amsterdamer sefardischen Gemeinde von seiner Reise 1686 erstattete, bürgerte sich die Rede von den “schwarzen” und “weißen” Juden Cochins ein. Spätere Besucher forschten nach den Ursprüngen dieser beiden Gemeinden, sammelten historische Dokumente darüber oder schrieben diese kurzerhand selbst, wie es der niederländische Konvertit Immanuel Jacob van Dort auf seiner Indienreise 1755-1756 tat. Der Jerusalemer Reisende David de-Beit Hillel drückte nach seinem Besuch im Jahr 1828 schon die moderne Entrüstung über die Diskriminierung unter Juden aus. Ein weiterer Emissär, Jacob Saphir, erreichte Cochin 1860 auf dem Weg nach Australien und hinterließ eine hebräische Reiseerzählung von ausgezeichneter ethnographischer Beobachtungsgabe. Der sozialen Verbesserung der “schwarzen” Juden verschrieben sich auch Ascher Levi, der 1882 im Land weilte, sowie der rumänischstämmige Rabbiner Chaim Jakob ha-Kohen Feinstein in seinem „Maschbit Milchamot“ von 1889. Erst der amerikanische Ethnologe David Mandelbaum, der seit 1937 in Indien forschte, bemühte sich um eine Deutung der innerjüdischen Hierarchie als genuine Widerspiegelung des indischen Kastenwesens. Shifra Strizower machte diese These in ihrem Aufsatz “Jews as an Indian Caste” (1959) bekannt. Im Überblick über vier Jahrhunderte fruchtbarer jüdischer Reiseschriftstellerei aus Indien drängt sich der Eindruck auf, dass die Autoren in jenen exotischen Juden ein Spiegel- und Gegenbild ihrer eigenen Ideale von sozialer Gleichstellung erkannten.

Prof. Dr. Carsten Wilke (*1962 in Köln) ist Religionswissenschaftler, Historiker und Judaist. Er studierte Judaistik, Romanistik und Philosophie in Köln und Jerusalem sowie Religionswissenschaften in Paris. 1994 promovierte er mit einer Arbeit über jüdisch-christliches Doppelleben im Barock. Danach war er an mehreren wissenschaftlichen Einrichtungen in Deutschland, Frankreich, Portugal, Mexiko und den USA tätig, darunter an der Hochschule für Jüdische Studien Heidelberg und der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Seit 2009 lehrt er als Associate Professor of Jewish Culture and Thought an der Central European University ► in Wien. Forschungsschwerpunkte sind die Geschichte und Kultur des europäischen Judentums vom Mittelalter bis zur Moderne.

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Total: XX.XX CHF

Infos

Ort:

Salomon Sulzer Saal, Schweizerstrasse 31, Hohenems, AT

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Veranstalter:in

Jüdische Indienreisende als Beobachter der Kastengesellschaf wird organisiert durch: