Monokratische Herrschaftsstrukturen unter Druck
Das Königtum im Alten Orient gilt oft als Inbegriff des Despotismus. Doch keilschriftliche Quellen aus Mesopotamien und benachbarten Kulturen (3.–1. Jahrtausend v. Chr.) zeichnen ein überraschend differenziertes Bild: Neben monarchischer Herrschaft finden sich auch Formen kollektiver Entscheidungsprozesse. Räte, Versammlungen und rechtliche Verfahren eröffneten Möglichkeiten politischer Mitsprache, Kontrolle und Kritik. Selbst in bekannten literarischen Texten wie dem Gilgameš-Epos oder dem babylonischen Weltschöpfungsepos Enūma eliš begegnen uns Redeformen, die zwischen offener Streitkultur und autoritärer Beschwichtigung oszillieren.
Der Vortrag lädt dazu ein, über diese frühen Formen politischer Teilhabe nachzudenken. Können sie als Vorläufer demokratischer Praktiken verstanden werden – vielleicht sogar im Hinblick auf die spätere athenische Demokratie? Wir nehmen Sie mit auf einen spannenden Streifzug durch die Anfänge politischer Ordnung, der zeigt: Demokratische Elemente reichen in der Menschheitsgeschichte weiter zurück, als man gemeinhin annimmt.
Dr. phil. Esther Flückiger-Hawker studierte altorientalische Sprachen und vorderasiatische Archäologie an der Universität Bern und der Johns Hopkins University. Sie war
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Monokratische Herrschaftsstrukturen unter Druck
Das Königtum im Alten Orient gilt oft als Inbegriff des Despotismus. Doch keilschriftliche Quellen aus Mesopotamien und benachbarten Kulturen (3.–1. Jahrtausend v. Chr.) zeichnen ein überraschend differenziertes Bild: Neben monarchischer Herrschaft finden sich auch Formen kollektiver Entscheidungsprozesse. Räte, Versammlungen und rechtliche Verfahren eröffneten Möglichkeiten politischer Mitsprache, Kontrolle und Kritik. Selbst in bekannten literarischen Texten wie dem Gilgameš-Epos oder dem babylonischen Weltschöpfungsepos Enūma eliš begegnen uns Redeformen, die zwischen offener Streitkultur und autoritärer Beschwichtigung oszillieren.
Der Vortrag lädt dazu ein, über diese frühen Formen politischer Teilhabe nachzudenken. Können sie als Vorläufer demokratischer Praktiken verstanden werden – vielleicht sogar im Hinblick auf die spätere athenische Demokratie? Wir nehmen Sie mit auf einen spannenden Streifzug durch die Anfänge politischer Ordnung, der zeigt: Demokratische Elemente reichen in der Menschheitsgeschichte weiter zurück, als man gemeinhin annimmt.
Dr. phil. Esther Flückiger-Hawker studierte altorientalische Sprachen und vorderasiatische Archäologie an der Universität Bern und der Johns Hopkins University. Sie war Lehrbeauftragte für Akkadisch und Ugaritisch an der Universität Bern und Mitarbeitende am Electronic Text Corpus of Sumerian Literature im Oriental Institute der Oxford University. Sie lebt mit ihrer Familie in Engelberg und arbeitet als Lerncoach und Bibliothekarin an der Stiftsschule Engelberg.
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