Was macht ein Bild wahr?
Wednesday, 21 October 2026, 18:30 - 22:00
Doors open at: 18:00
Description
Was macht ein Bild wahr?
Wie entstehen Bilder über Flucht und Migration – und was geschieht mit ihnen, bevor sie veröffentlicht werden? Der Ethnologe Gilles Reckinger, der Fotojournalist Klaus Petrus und Dario Veréb, Bildchef der «NZZ am Sonntag», diskutieren über fotografische Nähe, redaktionelle Auswahl und die Verantwortung des Zeigens. Ein Gespräch über Autorenschaft, Glaubwürdigkeit und die Macht der Bilder.
Bilder prägen, wie wir über Flucht und Migration denken. Sie zeigen Boote, Grenzen, Lager und einzelne Schicksale – und schaffen Vorstellungen, die sich tief in unser kollektives Gedächtnis einschreiben. Doch wer entscheidet, was sichtbar wird? Nach welchen Kriterien werden Bilder ausgewählt? Und was bleibt ausserhalb des Bildes?
Ausgehend von den Ausstellungen «Bitter Oranges» und «Spuren der Flucht» diskutieren Gilles Reckinger und Klaus Petrus über Nähe, Perspektive und Verantwortung im dokumentarischen Arbeiten. Reckingers ethnografisches Langzeitprojekt lässt afrikanische Erntearbeiter in Kalabrien ihren Alltag selbst fotografisch dokumentieren. Petrus begleitet seit Jahren Menschen entlang der Balkanroute und nähert sich ihren Erfahrungen mit den Mitteln der Reportage und des Fotojournalismus. Dario Veréb, Bildchef der «NZZ am Sonntag», ergänzt das Gespräch um die Perspektive der Redaktion. Welche Bilder gelangen in eine Zeitung – und weshalb? Wie werden Fotografien geprüft, beschriftet und kontextualisiert? Welche Wirkung haben Ausschnitt, Reihenfolge, Grösse und Platzierung? Und welche Verantwortung trägt eine Redaktion gegenüber den abgebildeten Menschen und dem Publikum? Gemeinsam fragen die drei Referenten, wie fotografische Wirklichkeit entsteht, welche Rolle unterschiedliche Formen der Autorenschaft spielen und ob es überhaupt ein «authentisches» Bild geben kann.
In Zusammenarbeit mit dem Verein Empirische Kulturwissenschaft Schweiz (EKWS), Sektion Zürich.
Kurzbiografien
Gilles Reckinger ist Europäischer Ethnologe. Seine Forschungsschwerpunkte umfassen Migration, Prekarisierung, europäische Grenzregime und visuelle Methoden. Für das Langzeitprojekt «Bitter Oranges» untersuchte er die Lebens- und Arbeitsbedingungen afrikanischer Erntearbeiter in Süditalien.
Klaus Petrus war bis 2012 Professor für Philosophie an der Universität Bern und arbeitet heute als Reporter und Fotojournalist. Er berichtet über Migration, Armut, Ausgrenzung und Krieg und ist Co-Leiter der Redaktion des Strassenmagazins «Surprise». Seine Ausstellung «Spuren der Flucht» basiert auf einer mehrjährigen Arbeit entlang der Balkanroute.
Dario Veréb ist stellvertretender Leiter der Bildredaktion der NZZ und Bildchef der «NZZ am Sonntag». Beim Podium beleuchtet er den Umgang mit dokumentarischen Fotografien aus Sicht einer Nachrichtenredaktion: von der Auswahl und Prüfung bis zur Kontextualisierung und Platzierung.
Event organiser: Verein Photocreatives
Verein Photocreatives
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