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W. – Was von der Lüge bleibt

W. – Was von der Lüge bleibt Kinok Tickets
Kinok, St. Gallen, CH

Es war einer der grössten Literaturskandale in jüngerer Zeit: Der aus Lettland gebürtige, in Zürich lebende jüdische Musiker und Instrumentenbauer Binjamin Wilkomirski veröffentlichte 1995 im Jüdischen Verlag von Suhrkamp seine Autobiografie «Bruchstücke. Aus einer Kindheit 1939–1948». Darin erzählt er, wie er als Kind Zeuge der Ermordung seines Vaters durch die Nazi-Besatzer und in ein KZ verschleppt wurde. Detailreich schildert Wilkomirski das Grauen im KZ, wie er am Ende des Krieges die Befreiung erlebte und nach Aufenthalten in polnischen Waisenhäusern dank einer humanitären Organisation in die Schweiz kam, wo ihn eine reiche Zürichberg-Familie adoptierte. Wilkomirskis Buch fand weltweite Beachtung; er wurde zum gefeierten Vortragsreisenden in Sachen «Kindheit im Holocaust». Vier Dokumentarfilme mit und über ihn wurden gedreht, die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem und der US-Kongress ehrten ihn, 1996 erhielt er den Literaturpreis der Stadt Zürich. Der Schönheitsfehler: Ausser Adoption und Beruf war alles frei erfunden. Wilkomirski ist kein Jude; er heisst in Wahrheit Bruno Grosjean und kam 1941 unehelich in Biel zur Welt. Seine Mutter, Yvonne Grosjean, gab ihn in ein Waisenhaus, aus dem ihn die Zürcher Familie Dössekker adoptierte. Im August 1998 war es der

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Es war einer der grössten Literaturskandale in jüngerer Zeit: Der aus Lettland gebürtige, in Zürich lebende jüdische Musiker und Instrumentenbauer Binjamin Wilkomirski veröffentlichte 1995 im Jüdischen Verlag von Suhrkamp seine Autobiografie «Bruchstücke. Aus einer Kindheit 1939–1948». Darin erzählt er, wie er als Kind Zeuge der Ermordung seines Vaters durch die Nazi-Besatzer und in ein KZ verschleppt wurde. Detailreich schildert Wilkomirski das Grauen im KZ, wie er am Ende des Krieges die Befreiung erlebte und nach Aufenthalten in polnischen Waisenhäusern dank einer humanitären Organisation in die Schweiz kam, wo ihn eine reiche Zürichberg-Familie adoptierte. Wilkomirskis Buch fand weltweite Beachtung; er wurde zum gefeierten Vortragsreisenden in Sachen «Kindheit im Holocaust». Vier Dokumentarfilme mit und über ihn wurden gedreht, die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem und der US-Kongress ehrten ihn, 1996 erhielt er den Literaturpreis der Stadt Zürich. Der Schönheitsfehler: Ausser Adoption und Beruf war alles frei erfunden. Wilkomirski ist kein Jude; er heisst in Wahrheit Bruno Grosjean und kam 1941 unehelich in Biel zur Welt. Seine Mutter, Yvonne Grosjean, gab ihn in ein Waisenhaus, aus dem ihn die Zürcher Familie Dössekker adoptierte. Im August 1998 war es der Weltwoche-Journalist Daniel Ganzfried, Sohn eines Holocaust-Überlebenden, der als erster den gigantischen Schwindel aufdeckte. Zwei Jahrzehnte nach diesen Geschehnissen hat Rolando Colla es geschafft, Bruno Dössekker alias Wilkomirski, der heute zurückgezogen in einem Thurgauer Bauernhaus lebt, vor die Kamera zu bekommen. Colla, bekannt vor allem durch seine Spielfilme («Giocchi d’estate»), realisierte bislang einen einzigen Dokumentarfilm, «Das bessere Leben ist anderswo» (2012). Seltsamerweise habe er in der Nacht nach dessen Premiere von Wilkomirski geträumt, erzählt er. Da habe er gewusst, dass dies sein nächstes Dokumentarfilmprojekt werden würde. Angereichert mit einer Fülle von Archivmaterial, Gesprächen mit Zeitzeugen und vor allem traumartigen schwarz-weissen Animationen des Comiczeichners Thomas Ott, ist «W. – Was von der Lüge bleibt» eine so faszinierende wie komplexe filmische Annäherung an die tragische Figur eines gefallenen Hochstaplers.

 

Die Premiere am 12. November findet in Anwesenheit von Regisseur Rolando Colla und Stefan Mächler, Historiker und Autor des Buches «Der Fall Wilkomirski», statt. Das Gespräch führt die Verlegerin Anya Schutzbach.

 

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Veranstalter

Kinok – Cinema in der Lokremise

Total: XX.XX CHF

Ausverkauft

Infos

Ort:

Kinok, Grünbergstrasse 7, St. Gallen, CH

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