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Hexenkinder

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Kinok , CH

MarieLies Birchler (*1950) wurde knapp zweijährig von der Vormundschaftsbehörde ins Waisenhaus in Einsiedeln gebracht, wo sie die nächsten fünfzehn Jahre ihres Lebens verbrachte. In das von den «Barmherzigen Schwestern des Heiligen Kreuzes» geführte Heim kam das Kleinkind, weil es, so ein Aktenvermerk, «von seiner Mutter vernachlässigt wurde und diese Herrenbesuche empfing». Die heute siebzigjährige und ungemein vitale MarieLies Birchler gehört zu den Zehntausenden von Menschen, die während des 20. Jahrhunderts in der Schweiz «administrativ versorgt» wurden und dabei durch die Hölle gingen. Sie ist eine von zwei Frauen und vier Männern, die der Innerschweizer Edwin Beeler («Arme Seelen») in «Hexenkinder» porträtiert. Während viele Schilderungen der sadistischen Quälereien, denen die Heimkinder zwischen den 1950er- und 1970er-Jahren ausgesetzt waren, an Folterberichte aus Guantanamo erinnern, taucht der Film wiederholt noch tiefer in die Finsternis ein: in Protokolle von Hexenprozessen, denen hierzulande zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert Dutzende Kinder zum Opfer fielen – das jüngste von ihnen war fünf Jahre alt. Damit umfasst der Film in einem eindrücklichen Bogen Jahrhunderte überdauernden religiösen Obskurantismus, dessen Exzessen Kinder bis in die heutige Zeit ausgeliefert

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MarieLies Birchler (*1950) wurde knapp zweijährig von der Vormundschaftsbehörde ins Waisenhaus in Einsiedeln gebracht, wo sie die nächsten fünfzehn Jahre ihres Lebens verbrachte. In das von den «Barmherzigen Schwestern des Heiligen Kreuzes» geführte Heim kam das Kleinkind, weil es, so ein Aktenvermerk, «von seiner Mutter vernachlässigt wurde und diese Herrenbesuche empfing». Die heute siebzigjährige und ungemein vitale MarieLies Birchler gehört zu den Zehntausenden von Menschen, die während des 20. Jahrhunderts in der Schweiz «administrativ versorgt» wurden und dabei durch die Hölle gingen. Sie ist eine von zwei Frauen und vier Männern, die der Innerschweizer Edwin Beeler («Arme Seelen») in «Hexenkinder» porträtiert. Während viele Schilderungen der sadistischen Quälereien, denen die Heimkinder zwischen den 1950er- und 1970er-Jahren ausgesetzt waren, an Folterberichte aus Guantanamo erinnern, taucht der Film wiederholt noch tiefer in die Finsternis ein: in Protokolle von Hexenprozessen, denen hierzulande zwischen dem 16. und 18. Jahrhundert Dutzende Kinder zum Opfer fielen – das jüngste von ihnen war fünf Jahre alt. Damit umfasst der Film in einem eindrücklichen Bogen Jahrhunderte überdauernden religiösen Obskurantismus, dessen Exzessen Kinder bis in die heutige Zeit ausgeliefert waren. Die schwebenden Klangtupfer des US-Akkordeonisten Guy Klucevsek untermalen Edwin Beelers subtile Landschaftsbilder und bilden den grösstmöglichen Kontrast zu den Schreckenszeugnissen der Protagonisten. Erwin Kohler, früherer Leiter von «Sternstunden» des Schweizer Fernsehens, schreibt: «Zu wünschen bleibt, dass die Täterinnen und Täter und auch die Klostergemeinschaften, die Verantwortung trugen, endlich hinstehen und um Entschuldigung bitten. Nicht zuletzt aber stehen auch jene in der Verantwortung, die mit ihrer moralisierenden Sexualfeindlichkeit und ihrem Hexenglauben das ideologische Fundament für diese leidvolle und unmenschliche Geschichte geschaffen haben.»

 

Die Premiere am 17. September findet in Anwesenheit des Regisseurs Edwin Beeler und der Protagonistin MarieLies Birchler statt. Das Gespräch führt der Filmjournalist Geri Krebs.

 

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Veranstalter

Kinok – Cinema in der Lokremise

Total: XX.XX CHF

Ausverkauft

Infos

Ort:

Kinok, Grünbergstrasse 7, St. Gallen, CH

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